Die neue Chefin der Keramikwerkstatt
shz
Neumünster - /Bremen - Rechtzeitig zum 20. jährigen Bestehen der Stadttöpferei im kommenden Jahr zieht jetzt zum November Susanne Meissner (39) aus Bremen in das Kleinod im Fürsthof ein. Die gelernte und studierte Keramikerin ist in den nächsten zwei Jahren Neumünsteres Stadttöfperein. Vor der fachkundigen Jury der Dr. Hans Hochstiftung hat sich gegen zehn Mitbewerber durchgesetzt.
Dabei ist der stets freundlich lächelnden gebürtigen Schweinfurterin das Drehen keineswegs in die Wiege gelegt. Nach der Schulzeit machte sie zunächst eine Lehre als Großhandelskauffrau. Doch irgendwie wuchs der Wunsch nach einer zweiten, handwerklichen Ausbildnung. Sie erinnerte sich an den Kunstunterricht und ihrer Freude am Umgang mit Ton.
In Landshut gibt es eine staatliche Schule für Keramiker, die sie drei Jahre besuchte und mit dem Gesellenbrief abschloss. "Es war eine gute Entscheidung", meint sie rückbleickend und schloss gleich die Ausbildung zum Keramikgestalter in Höhr-Grenzhausen an. Nun war sie im Handwerk fit, allein war es ihr doch ein wenig zu eingleisig im immer noch ständisch orientiertem Handwerk. Sie schaute sich nach einem Kunststudium um, entdeckte Bremen und stellt sich bei Fritz Vehring vor, meisterte 2000 die Aufnahmeprüfung in der Keramikklasse. "Das war es. Alles war viel freier", sagt sie begeistert.
Und sie nutzte diese Freiheit, experimentierte auch in anderen Kunstrichtungen. Immer in Abschnitten entstanden Bilder in den unterschieldichsten Techniken, sie wagte sich an Gedichte und kurze Geschichten, experimentierte mit der Fotografie. "Eigentlich habe ich nur um Musik einen Bogen gemacht, da bin ich nun gänzlich unbegabt", meint Susanne Meissner lächelnd.
Doch stets kehrte sie wieder zum Umgang mit dem irdenen Material zurück, mit dem sie auch experimentierte. Eine frei Studienzeit bis zum Dipm 2005, in dem sie sich von Gerbauchskeramik weiter entfernte. "Natürlich ist es auch spannend zu drehen." Doch sie wollte dabei ergründen, wie "lange denn eine Tasse noch eine Tasse ist". Mit ihrer mächtigen Dipomarbeit mit fast mannshohen Objekten überzeugte sie, so dass ihre Bewerbung um Aufnahme als Meisterschülerin stattgegeben wurde.
Das Jahr nutzte sie, um in einer Kehrtwende von der Größe zu fast filigranen kleinen Arbeiten zu finden. "Schon alleine meines Rückens wegen, denn die Sachen waren kaum zu bewegen." Es entstanden Kleinobjekte aus Porzelallan.
Sie freut sich auf die Zeit an der Schwale. "Es ist immer spannend,neue Menschen kennen zu lernen." Nicht alleine an und mit ihnen will sie sich weiterentwickeln - womit sie ganau den Intensionen der Hochstiftung für die Stadttöpferei enspricht. Auch die Vorgabe, sich in das gesellschaftliche und künsterliche Leben der Stadt zu integrieren, fällt bei ihr auf offene Ohren. "Schließlich will ich ja nicht in diesem traumhaften Haus mit der Werkstatt und dem Schauraum auf einer Insel leben."
Ganz im Gegenteil soll nicht nur der Fürsthof weiter eine Adressefür den Umgang mit Keramik und Ergebnissen sein. Mit Kursen für alle Altersstufen will sie für Leben sorgen, möchte aber auch Angebote an den Schulen vorstellen.
Gestern stellte Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth als Vorsetzender der Hans-Hoch-Stiftung Susanne Meissner vor. Erste Umzugskartons hat die neue Stadttöpferin bereits mitgebracht.
hELMUT fRIEBEL
