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Kieler Nachrichten,24. Juli 2009

Keramische Arbeiten von Susanne Meissner in Gottorf: Spiel mit Schein und Sein

Kieler Nachrichten
Sabine Tholund kn 24.07.200919:42 Uhr aktualisiert: 19:46 Uhr

Gottorf – Ein Schwarm farbenfroher Doraden schlängelt sich über eine Wandfläche in der Studiogalerie auf Schloss Gottorf. Gedoppelt durch einen Bodenspiegel, scheinen sich die von tiefgefrorenen Mittelmeerfischen originalgetreu abgeformten Objekte raumgreifend auszubreiten. Der Doradenschwarm ist aus glasierter Keramik – genauso wie das Flundern-Mobile und das Segelboot im Eingangsbereich. Ihre maritime Ader dürfte die aus dem Frankenland stammende Keramikkünstlerin Susanne Meissner mit diesen Arbeiten weitgehend abgearbeitet haben. Seit ihrem Studium in Bremen lebt sie in Schleswig-Holstein.„Ich habe gemerkt, dass Boote hier etwas ganz Normales sind,“ schmunzelt die 42-Jährige, die noch bis Ende August als Stipendiatin der Dr.Hans-Hoch-Stiftung in der Stadttöpferei im Fürstenhof Neumünster arbeitet. Unter dem Titel Keramik? – Installation? – Irritation! präsentiert das Landesmuseum eine Auswahl von 20 Arbeiten der Keramikerin, die mit ihren naturnah geformten, durch Material und Präsentation verfremdeten Objekten die Wirklichkeit hinterfragt. An eine barocke Festtafel erinnert das Tortenfest, eine üppige Tischinstallation mit bunt glasierten irdenen Torten, deren verlockende Früchtedekoration dem zweiten Blick nicht recht standzuhalten vermag: Schwärzlich angelaufen wie sie sind, würden die Beeren und Sahnekringel dem Esser schlecht bekommen – wenn sie denn echt wären.

Um Vergänglichkeit geht es bei diesem Spiel mit Schein und Sein. „Meine Kunst kreist um alles, was mit dem Leben zu tun hat“, sagt Susanne Meissner. Das schließt das Überleben mit ein. Kampfgeräte wie Schwerter, Beile und Harpunen hat sie in Serie aus hauchdünnem, weißen Porzellan hergestellt und zu reizvollen Hügellandschaften aufeinander getürmt oder zu textil anmutenden Geweben miteinander verzahnt. Das Moment der Wiederholung findet man in allen ihren Arbeiten – angefangen mit ihrer Diplomarbeit von 2005, bestehend aus schlichten, rot glasierten Hufeisenformen, die sie zu einem dynamisch bewegten Gehäuse aufgeschichtet hat. Formal gehe es ihr nicht darum, etwas darstellen zu wollen, sondern darum, die Objekte zueinander zu führen „und zu schauen, was passiert.“ Das gilt für die abgeformten Seifenablagen, die sich zu einer fragilen Kreisinstallation runden, genauso wie für die winzigen Marienfiguren, die sie in -zigfacher Kopie zu einem Marienfeld gruppiert hat – ein Energiefeld, mit dem Susanne Meissner die von den Katholiken stark beanspruchte Jungfrau Maria „ein wenig entlasten will“.

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